Für einen ganzen Satz Gleichgültigkeit

Schnipsel


Die ersten Anzeichen des Erwachsenseins befinden sich in meiner Hosentasche. Eine Kugel aus Bonbonpapier.
Meine Hand hält sie fest, mit jedem Tag mehr.

Denke darüber nach wieviel Jugendlichkeit es bedarf, dieses kleine Geschoss auf den Asphalt zu schnippen. Zwischen mir und der hüpfenden Kugel stehen mindestes 20 Jahre und die Kraft der Gleichgültigkeit.

Beobachte meine erwachsenen Mitmenschen, wie sie ihre Hände tief in den Taschen tragen, mit Sicherheit um 100te von Papierkugeln geschlossen.


Allein die Ansammlung von den, nächsten 3, mir entgegenkommenden Fußgängern, könnte sicher ganze Straßenzüge bedecken.
Errechne mir an der Taschendicke das Alter der Menschen und ihre Weitsichtigkeit.

Wie schlimm ist es eigentlich erwachsen zu werden? Und wie lange dauert es, bis man unter der Last seiner eigenen Schnipsel zusammenbricht?

Meine Kugel schreibt einen großen Bogen und noch bevor sie tanzend auf der Erde landet, bin ich 16 und kräftig genug für einen ganzen Satz Gleichgültigkeit.

Zusammengefaltet

PapierMeine Wochen fliegen dahin, Tage zur Unmöglichkeit zusammengefaltet wie Texte, in die sich alles hinein interpretieren lässt. Ausgebreitet bin ich erstaunt, was sich in gerade hinter den Kniffen und Kanten verbirgt. So scharf Papier sein kann, so geduldig ist es auch. Die entfalteten Tage zeigen das. Gerade an den Ecken stößt sich die Ruhe. Streckt sich aus und rollt sich zusammen, wie eine Katze im Schatten.

Meine Wochen stoppen, halten die Zeit, nichts bewegt sich. Das Papier knittert, wirft riesige Schatten über all seine Sprünge. Ausgefaltet steht da nichts außer sein Weiß in unendlichen Linien ganz unterschiedlicher Tiefe.
Ich liebe das Unbeschriebene.
Laufe mit farbigen Füßen durch das Papier und wenn Ihr das auch macht,

...können wir uns in diesen Tagen begegnen.

Reißverschlussprinzip

NiederknienDas Leben kriegt uns an den unglaublichsten Stellen zu fassen und erhängt sich an einer Nadelspitze.
Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich mich zweiteilen, ganz nach dem Reißverschlussprinzip.
Würde mich aufzippen in unendlichen Möglichkeiten, um mindestens eine Version von mir auf die Beine zu stellen, die Erwartungen bedient.
Ich hatte 5 Jahre Psychologie, nein ich hatte 33 Jahre Psychologie, 5 Jahre hatte ich Klarheit, wie Muster funktionieren. Was Erwartungen erwarten und was Leiden schafft. Wohin ich sehe, immer noch zu viele Menschen mit Blick auf ihre Füße, programmiert darauf, sich durchzusetzen, in möglichst vielen Lebenslagen.
Aber wie ich auch liege, es ist nicht das Leben dass uns kickt, es sind unsere Einstellungen, die sich unüberarbeitet einstellen.

Das ist allein unser.

Die innere Weisheit immer wieder und wieder durchzuarbeiten braucht Mut.
Es ist einfacher, alles abzufackeln, um sich selbst im Leben als Licht zu fühlen, wenn man den Zusammenhang nicht er/kennen kann.

Nehmt Euch den Moment Zeit durch Euer Objektiv zu sehen und Euch klarzumachen, dass ohne das Du kein Ich existiert. Werft Euch nicht über den Haufen, aber wenn Euch jemand gegenübersitzt, ist es viel mehr so, dass ihr Eure Geschichte hört,

...und nicht seine.

Diese Mitte

Me
Es gibt so Tage, da steht man ziemlich alleine da. Hab meinen Kaffeebecher eingesammelt, weil meine Kollegen eher mit ihren beschäftigt sind. Drehe meine letzten Runden allein, weil fast alle die ich sehe, mit sich selbst beschäftigt sind.
Es gibt so Tage, da steh ich mittendrin. Da öffnen sich Türen, wo vorher keine waren. Da fahr ich meine Runden zwischen all den Rädern dieser Welt. Da kommen mir ganz Fremde mit Kaffeebechern entgegen. Atme vorsichtig ein, weil die Luft so voll ist.

Das Leben ist großartig weit und einzigartig eng. Es kommt nicht nur auf die Kreise an, in denen man seine Runden dreht,
viel eher ist es unsere eigene Mitte, die Straßen leer fegt und Türen öffnet.
Hast Du das erkannt, kannst Du sehen, was längst Da war.


Das Licht der Welt

Licht
Das ist das eine Ende der Welt. Das Andere ist hier.
Als Kind wollte ich Leuchtsterne an der Decke, weil ich das Licht der Welt sehen wollte, weil ich wissen musste, dass sie weiter existiert, selbst wenn ich längst schlafe.
Heute hab ich ein kleines Universum in mir. Ich brauch keine weiteren Lichter.
Auch ihr werdet Eure Sterne eintauschen.
Ich weiß es, weil ich euer Universum schon sehen kann!

Für 10 Minuten

Wartezeit

Kinder erleben die Zeit noch mal anders. Da fühlt sich das 10 minütige Gespräch der Erwachsenen an einer Straßenecke an, wie zwei lange Stunden. Du wartest nun und Du erinnerst mich an mich. Ich seh Dich dort sitzen und bin froh, dass Du noch so klein bist, denn wenn ich Dich jetzt trage, schaffen wir die verlorenen "Stunden" locker aufzuholen.
Mit Dir kann ich noch fliegen!

Mo für Bela