Nur Fünf Minuten Vor Die Tür

SichtBei uns ist es heute langweilig.

Langeweile zieht eine Fratze, lümmelt sich im Sessel oder bewegt sich erst gar keinen Zentimeter vor die Tür. Manchmal quengelt sie.
Unsere Langeweile ist heute stumm, legt sich auf die Kinder, wie ein schwerer Teppich und erstickt jeden Laut.-

Leise.
Das ist der Punkt an dem Kreativität entsteht. Ich warte.

Langweilige Kinder ziehen geräuschlos noch langweiligere Gesichter. Ich hab die Idee. Und noch bevor ich sie mit meinen Kindern zu Ende denken kann, holt meine Tochter ihre Wassermalfarben...

Langweile zieht schwarze Linien um ihre Augen und geht mit mir 5 Minuten vor die Tür.

Bei uns ist es heute spannend.

Und weil die Wasserfarbe uns für heute bewegt hat und keiner mehr hier eine Fratze zieht, gebe ich am Abend einen Fotokurs für die Mädchen und wir malen mit Wunderkerzen, noch wundersamere Blitze in die tiefschwarze Nacht.


Wunderkerze

Nicht unter einer halben Minute zur Erkenntnis

KurzerFeuertanz
Die Temperamente meiner Söhne


Hier Bela, 6 Jahre, in chaotischer Einsamkeit- wird zur Taschenlampe in seiner Hand, während sich seinem Bruder zeitgleich, das gerade entstehende Bild auf die Netzhaut brennt
& Oke beim Anblick des freigegebenen Photos auf der Canon, nur noch ergriffen schluchzt -
Das hab ich gesehen, Bela!!





LangerFeuertanz
Oke, 9, mit nur langsam erlöschendem Bild auf der Netzhaut, in eher vernünftiger Gleichmäßigkeit im Bild darunter.
Während nun hier, lange Striche seine Größe unterstreichen...
bestätigt sich in mir der Verdacht, dass der Jüngere von Beiden vielleicht gerade nicht in der Pubertät ist-
zumindest aber im Rubikon.
Ahhhh!

Mo Vision Night Photography, nicht unter einer halben Minute zur Erkenntnis!

Eine Ganz Alte Feuchte Sache von 1902

SchirmLost Places II

Immer wieder ein Wahnsinns Gelände und unglaubliche Gebäude. Dieses Mal zwei Tage verlorener Platz und 7 Häuser. Darunter eine unterirdische Vernetzung zwischen Männer- und Frauensanatorium und noch tiefer, eine ganz eigene Familiengeschichte, weil meine Großmutter in genau dieser Klinik gesundet ist. Das ist lange her, aber nah genug mich auf die Suche zu machen.

Es ist nicht viel los auf den ellenlangen Fluren, manchmal ist man erschreckend lange allein in einem ganzen Haus voller Zimmer und Türen, die verschiedene Stadien des Zerfalls beherbergen und nichts weiter als uralten Staub, Trümmer und fallende Farbe.

Und es ist wunderschön, selbst durch den Dreck, sehen wir auf die unglaubliche Geometrie des Gebäudes. Sehen seine Knochen und das, wie durch Augen gespiegelte, Licht bricht sich in tausenden tanzenden Schatten an seinen Wänden.

Könnte mir vorstellen, dass man F o l ter/Kammern rand-f o l ;) mit eisernen Lungen, Inhalatoren, Belüftungsschlitzen und Sonnenterassen finden konnte- Damals!

Heute: bringt der Aufenthalt einem eher Tuberkulose ein und die Feuchtigkeit lässt manches leben- von dem man lieber hätte- es wäre tot!

Die letzten Bewohner dieses Hauses sind 'geschwunden', entweder hat die Liegekur ihr Bestes getan, oder das Tuberkel-Bakterium. Es bleibt zu hoffen, dass der leichte Husten der mich, seit meiner Abreise von dort, begleitet, nicht so eine ganz alte feuchte Sache von 1902 ist

..und v o r mir geht.

In Bewegungsfreudigen 35 km/h

Mit Herz Und HaarTag 2 und alles ist Nebel. Fühle mich krank. Als würde ich doch mehr als nur ein paar Tage brauchen, um endlich wieder gesund zu werden. Mir ist übel und ich habe keine Möglichkeit, den ersten Schwindel nach dem Aufwachen zu bekämpfen. Mit nichts. Das Monster steht nahezu den ganzen Tag vor mir, wütend und speit Feuer. Ich bin wie hinter Glas, geschützt und doch in direktem Blickkontakt. Hoffe, ich bin bald wieder ich und das Monster gibt Ruhe. Innerlich steht meine Welt Kopf. Nichts was diesen Hunger stillt und in meinem Gehirn, nahezu gleich betäubend, meine Andockstellen zufrieden stellt, wie die Zigarette vorher. Innerlich koche ich auf 180 Grad- mit hoher Flamme. Spucke Feuer, wie mein Monster.

Tag 4 Aufgewacht und mein erster Gedanke: Gott sei Dank, muss ich heute keine Zigarette Rauchen! Ich mach nichts anders, ob das gut ist, weiß ich nicht. Ich gehe vor die Tür und trinke meinen Kaffee im Licht des ersten Tages, in deutlich dünnem Nervenkostüm. Der erste schlimme Schwindel ist weg und ich hab nicht immer und überall diese Wahnsinns Wut dabei. Gut so! Muss ja mal besser werden. Und doch schleicht sich das Monster an und fragt immer mal nach, ob ich jetzt wirklich aufhören will und warum eigentlich. Ich hab das Gefühl, als hätte ich die letzten Tage gefastet. Kann noch nicht mal sagen, dass sich in meinem Geschmackssinn irgendwas verbessert hätte.

Aufgewacht und Kaffee getrunken, Kaffee getrunken und Kaffee ge... ich finde diese Situation gar nicht mehr schimm. Innere Unruhe hält sich in Grenzen und ich kann sogar mal wieder lachen. Es gibt immer noch genug Punkte, an denen das Monster mich anbläst und schreit, warum ich unbedingt JETZT aufhören musste und ob man daran nicht was drehen kann. Aber egal WAS, es wäre ein fauler Kompromiss. Egal WANN, es wäre immer zu spät.
Ich bin bei Tag 6 und der hatte heute sogar Stille..

BlattinhalteAb in den Wald. Sonne satt. 30 min geht alles gut. Nach 35 min hab ich eine Sauerstoffübersättigung. Vielleicht zu tief geatmet?
Was mich aber richtig verängstigt: Ich kann die Sonne auf meiner schwarzen Hose riechen. Riecht wie gebügelt. Wenn sich mein Augenlicht zeitgleich mit meinen Geruchs- und Geschmacksnerven entwickeln würde, könnte ich sicher auch aufsteigende Dämpfe sehen. Ich bin mir ganz sicher! Das Monster scheint versöhnlich oft hinterm Berg zu bleiben, dafür knallt es aber auch ordentlich durch, wenn es sich wirklich mal blicken lässt. Ich hör mir das nicht an, dreh mich weg und konzentriere mich lieber auf meinen jugendlichen Geruchssinn. Genieße die Sonne des 8. Tages in Bügelwäsche ohne eine einzige Handbewegung!

Ein schöner Tag!!

Für Aufgabe 10, soll ich darüber nachdenken, was sich seit dem Rauchstop deutlich verbessert hat. Und mir ist gleich aufgefallen, meine Haare trocknen schneller, wenn ich geduscht habe. Das ist großartig, früher haben sie so einen halben Tag vor sich hingetrocknet, jetzt brauchen sie keine Stunde mehr.. vielleicht bin ich aber auch schneller unterwegs und sie trocknen bei Kielsog leichter in bewegungsfreudigen 35 km/h ..

Windstärke 7

Segel

 

Windstärke 7

6 Tage ohne Land unter den Füßen

Segel setzen und wieder einholen, wechselt sich ab, zwei Halsen fahren und der Tag nähert sich mit 3,9 Knoten dem Kaffeetisch zu. Hier ist alles teilweise, auch regnerisch. Alles in Rationen, in der Messe, in der wir essen, genau wie an Deck.

 

 

Milchglas

 

 

Mein erster Wunsch wird gleich am ersten Morgen erfüllt.
Ab 5 Uhr morgens läutet die Nebelglocke jede Minute für 5 Sekunden!! Bevor ich verstehe, was mich da weckt, bin ich an Deck und sehe durch Milchglas.. ..genau bis zu dem Moment, in dem sich die Sonne ein kleines Loch kratzt. Großartig!!

 

 

Manöver

 

 

3 Tage auf dem Boot und manche Sachen werden so unglaublich kostbar. Der Klassenlehrer, der uns begleitet meint, das ist das Yang in der Ernährung. Alles würzig, zu unausgeglichen das Ying. Mir fehlt es nicht an Phantasie mir genau das vorzustellen. Und während alle Anderen Manöver fahren, esse ich soviel ich schaffe, allein um dem Heißhunger entgegen zu wirken.
Das klappt an Abenden, an denen uns Kai seine Schokolade präsentiert...,
besser als an Anderen.

Sternenklar

 

 

Sehe auf Sternenklare glatte See. Kein Wind, seit Tagen. Segeln mit 0,6 Knoten Höchstgeschwindigkeit durch das Leuchtalgen durchsetzte Meer. Großartig, wenn wir das leuchten um uns beobachten. Noch großartiger diese Algen in einem Wassereimer zu fangen.
Denn was das Meer heute nicht zum leuchten bringt, schaffen wir mit unseren Händen selbst.Segeln

 

Die folgenden Tage bringen Sonne mit und ein wunderbares Hoch. Leider stehen die Isobaren so weit auseinander, das gar kein Wind mehr weht. Mit 0,3 Knoten, erreichen wir den Kaffeetisch nie. Noch schlimmer, wir werden nie wieder schlafen. Weil Tage ohne Wind unendlich lang sind und knurren wie ein alter Diesel.

Okay

 

 

Die Abende sind schwer von Ankerlampe und Wärme, so unendlich schön, das keiner je wieder von Board will. Und sie sind trocken, in jeder Hinsicht. Irgendwo findet sich hier der Platz für jede Geschichte, manche so haarsträubend, dass man sich wünscht, es würde langsam wieder morgen werden und die anderen könnten ganze Nächte erhellen, so köstlich sind sie.

24meter

 

 

Einige trage ich mit mir rum, seit ich zurück bin. Sie helfen gegen Fernweh, gegen die ersten kalten Tage an Land. Ich bin zurück, und in mir summt immer noch leise der Wind.

Schritt für Schritt

Time lineBewege mich auf dünnem Seil zwischen 5. & 6. Lendenwirbel. Ich bin langsamer als sonst. Und gleichzeitig habe ich viel mehr Zeit.
Das Wochenende auf dem Poeten-Fest in Erlangen war ein großer Erfolg.
Zeitgleich bremst mich mein Lendenwirbel aus und macht eine Denkpause. In seiner verdrehten Stellung, geht alles nur noch zeitverzögerter.

Zeit!
Zeit- still zu sein.
Zeit- loszulassen!
Bin in Wartestellung und erwarte nichts. Gut so! Auch schmerzhaft!

An all die, die auch gerade etwas loslassen müssen:
Es geht manchmal nur Schritt für Schritt, aber auch das ist gut so und lässt Platz wirklich mal wieder hinzusehen-

Worauf kommt es wirklich an?