ZündSchnur

Die menschliche Sprache ist wie ein gebrochener Spiegel. Und je nachdem aus welchem Winkel man draufschaut, nimmt man auch verschiedenes auf. Ich spreche mecklenburgisch, manchmal auch berlinerisch und hier etwas über Hamburg Rein-Norddeutsch. Meine Hauptsprache. Damit hebe ich den Schnitt deutlich auf Verständliches, wenn ich es auf das Jahr hochrechne. Ein Bild das mich trägt, statt getragen zu wirken. Sieht man ja, es sind fantastische Satzumstellungen möglich, aber genau so wirft selbst das reinste Hochdeutsch einige Fragen auf, die sich nicht nur mit einem schiefen Winkel auf die See beantworten lassen. Dafür braucht man hin und wieder auch Sextanten. Hier bin ich nun sprachlich auf jeden Fall in die Falle getappt. Humor ist eine Grundvoraussetzung geistig gesund durchs Leben zu gehen, auch wenn man dabei gerade irgendwie bekloppt aussieht- der vor sich hin grinsende Humorist. Ich mag Bildkompositionen, die wie ein irres Rezept schmecken. Blumen, die nicht jeder riechen kann. Ich mag sogar schwierige Menschen, das hab ich vielfach in diesem Leben bewiesen. Denn ganz egal in welcher Sprache man letztendlich redet, Hauptsache ist doch man spricht. Schwer wenn man Jemanden (möglichst Liebes) seine Humor-End-Station erreichen lässt, bevor dieser überhaupt wusste, das alles folgende nun, Abstellgleis bedeutet. Plötzlich nur weil man über ne Zündschnur gerollt ist, von der man nicht mal wusste, dass es sie gibt. Es braucht Worte! Das Leben ist berechenbar unberechenbar und denkbar unmöglich, wenn man das Mögliche durchdenkt.

Stell Dir Vor

Stell dir vor du hast jemanden kennengelernt und geheiratet. Hast wahnsinnig anstrengende Kinder bekommen.
Genauso muss es sein, denn es ist Jahre her, dass wir voneinander hörten. Du hast sicher vergessen wer ich war und erinnerst dich zu schwach an meine Schwächen. Hoffentlich.

Wenn ich mich neu vorstellen müsste, wäre das heute so: 42, verrückt genug das Laufen zu beginnen, in dem Moment, in dem die restliche Welt damit aufhört und sich stattdessen auf Steine werfen und Faustkampf umtrainiert.
G 20 – hier wird’s politisch. Aber statt tatsächlich was zu bewegen, bewegt sich mal wieder nix. Sind denn alle irre geworden? Währenddessen brennt Hamburg- Geschäfte werden ausgeraubt von offiziell unkapitalistischen Demonstranten. Gibt es eigentlich einen Tourismus für Krawalle?

Stell dir vor, du gehst mit 20 Kindern Zelten. Ich komme gerade von so einem Zelten, habe die windschiefe Hütte aufgebaut und einen Tag später wieder abgerissen. Das morsche Iglu ging wortwörtlich unter. Ich brauche ein neues Zelt.

Für dieses Alte war ich die 3. Frau, die vor Jahren an der Seite eines Mannes dort einzog. Gut dass wir ein Haus bauten, nein bauen ließen- kauften.


Nachts auf den Moordörfer-Äckern wird es feucht. Feuchtigkeit bringt Kälte und während in Hamburg also die Flammen tanzten, lagen wir, dreiundzwanzig, 60 km nord/östlich und froren unter klarem Sternenhimmel mit Blick auf den Vollmond, am letzten Tag des 3-Frauen-Zeltes.

Der Vater meiner Kinder 24 km weiter wusste nichts vom Spontanableben seiner geliebten Stoffbahnen und erhielt heute morgen von mir allein die Zeltstangen mit den Worten: „Mehr war nicht übrig.“

Ein Kapitel geht zu Ende. Ich hab ihm gesagt, dass ich das baugleiche Zelt meines Ex-Freundes auftreiben könnte, dort war ich die Erste Frau. Darüber war er empört. Ha! Köstlich. Spannend was auf einer Seite für Selbstverständlich gehalten wird, auf der anderen aber indiskutabel ist.

Wenn ich mich neu vorstellen müsste, wäre das heute so: 42, Zeltfrau 3 und die, die es abriss bis auf die Stangen.

Stell dir vor, trotz der Weite zwischen uns- unsere Erfahrungen würden sich decken. Was du erlebtest, was du suchtest und was du finden konntest. Es vergeht kein Tag, dass mir der Held nicht einfällt. Als ich klein war, habe ich mir so jemanden gewünscht, ich wünsche ihn mir jetzt für meine Kinder. Jemand Echten, der lebt was er sagt und fühlt was er meint. Ich denke in Zeiten in denen Unkapitalisten Unkapital aus Läden stehlen und Feuer machen, braucht es Helden. Uns sind die Vorbilder ausgegangen, die uns zu Rittern schlagen. Es braucht mehr den je- eine Hand, die hält was sie verspricht.

Ich bedaure sehr heute kaum noch Helden zu kennen. Sehe ich mich um, gibt es viel zu viel Feuer, weil viel zu wenige die Kälte aushalten können. Ich habe in einem meiner Bücher gelesen, dass es die Dunkelheit braucht- zumindest zum Träumen und Schlafen.

Stell dir nun vor, wir würden das Licht begrüßen, wenn wir wieder Aufwachen...

Über dieses Stück hinaus

Portrait durch Glas


Was bin ich? Ich will es zeigen. In meiner Kindheit habe ich nicht gesprochen. Ich blieb stumm für die Liebe in mir und den ganzen Scheiß. Ich bin so sprachlos wie möglich durch die Klassen gegangen. Was ich sah, hatte keinen Zugang. Zu nichts. Ich hab mir Gedanken gemacht. Warum ist das so? Was fehlt denen erst. Warum kann ich nicht..?
Ich kann bis heute manchmal nicht. Und ich wehre mich gegen Ignoranz. Auch das bin ich. Ich bin nicht zu haben, manchmal nicht mal für mich selbst. Aber ich fühle, immer!
Ich bin extrem, leider wirklich.
...es gibt Phasen, da trinke ich keinen Alkohol, dafür rauche ich. Das ist erstaunlich, weil ich eigentlich gar kein Raucher bin. Dann wechselt das wieder und ich trinke extrem viel Kaffee, esse aber nichts mehr.
Ich fahre viel zu schnell Auto und noch schlimmer Motorrad. Ich kletter in den Bergen und tauche am Limit. Lese mich tagelang durch unzählige Bücher und will nichts weiter hören, außer diese Stimmen in mir. Ich brauch auch Stille, jaaa! Ich muss mich fühlen, manchmal körperlicher und ich würde nicht sagen, dass ich lebensmüde bin. Ganz im Gegenteil! Ich will hier nicht weg, ich liebe es und ich lebe es! Selbst im größten Stress.

Ich will kein Spiel und hören was mein Gegenüber fühlt und wenn es keine Worte dafür gibt, dann geht auch Schweigen. Ich brauch es ehrlich und klar. Ich glaube an uns!
Wir können nichts falsch machen. Weil ich das, was ich bin, zeigen möchte und genau auch das was ich nicht bin, fühlen will. Die Teile, die dann noch fehlen- lasst sie uns entdecken.

Lasst uns gehen..
über dieses Stück hinaus.

Mindestens Einen Fingerabdruck

Scheibe'Ich geb mich mit Oberflächlichkeiten nicht zufrieden. Das langweilt mich. Ich brauch Tiefe, die findet sich nicht in der Leere dazwischen, die bewegt sich im Austausch. Sie bedingt sich und ich schreib Dir eine psychologische Abhandlung dazu, wenn Du es brauchst. Nichts ist sicher und für den Moment. Das sehe ich, wenn ich vor die Tür gehe, das sehe ich an Euch. Es regnet und es strahlt in ewigem Wechsel. Sieh her! - Es gibt Tage, da bleibt nichts übrig, kein einziger Tropfen Welt teilt sich mit, weil niemand auch nur ein Wort hat und von allein erbrechen sich nur die Menschen hier. Das ist schwer zu verstehen', warte auf die vollständige Entladung hinter Glas und denke darüber nach.

'Streck Deine Arme aus, in allererster Linie, Dich zu empfangen', sage ich zu meiner Tochter, die wie immer still durchs Fenster sieht, mir hinterher als ich gehe und ich schaff es in zwei Zeilen zu lachen. Sie grinst. Und bevor ich den Vorsprung ausnutzen kann, ist sie neben mir und nimmt den Regen, genau wie ich- wie eine Antwort.

Hätte ich vor einem Jahr nicht geglaubt, denke ich mit kurzem Seitenblick auf meine stille 16 Jährige, aber es hat dich gerade wieder und bevor es dich wieder ausspuckt, hinterlässt dieser Teil hier mindestens einen Fingerabdruck auf dir-

Sie schüttelt sich vor Lachen und während sie richtig Gas gibt, ruft sie: 'Ich weiß! Auf Dir auch!!!' Und jetzt !
Geb ich Gas .....


Mo&Pauline

Über Träume

FensterManches trägt Dich und manches bricht ein. Brücken sind sie und völlig Zerstörte manchmal auch. Sie stürzen ein oder sie tragen Dich durch eine ganz schlimme Zeit und egal wie verfallen sie auch aussehen, für Jeden sind sie etwas anderes. Meine Träume fanden mich. Ich hab gar nicht gesucht. Sie fanden mich als ich in den Bäumen kletterte, in den 80ern, in knielangen Lederhosen. Sie verknoteten sich in meinen Haaren, als ich meine Kawa mit 180 über die Straßen fuhr und in diesem alten Wrack, dass ich betauchte, über mir 25 Meter Wasser, und in lauter aufsteigenden Blasen tanzte alles in mir nach oben.

Glaub mir, ich kann sie alle sehen, manche platzten, weil ich das, was mich fand nicht halten konnte.

Wann kann man sagen, dass mein sein Leben auf der Reihe hat? Beginnt es knietief in warmen Wasserpfützen? Ab dem ersten Arbeitstag? Mit der Ersten großen Liebe? Beim Klettern über vielleicht noch tieferen Abhängen? Wann wird Dir die Weite Deines Lebens bewusst? Wann das was bleibt?

All das was ich erlöste, was ich verlor, und gerade auch das was mich fand -

Es findet meine Kinder von ganz allein, während sie in den Bäumen klettern und an ihrem Baumhaus arbeiten, verknotet sich in ihren Haaren bei Ostwind mit Blick aufs Meer.
Selbst während sie in einer Wanne voller Schaum sitzen-

Und in lauter aufsteigenden Seifenblasen, tanzt ihr Inneres nach oben.

Ich kann all das sehen.

Schwarz auf Weiß

Schwarz Ich will all Deine dunklen Seiten sehen, auch das was Du Angst nennst oder Fehler.
All das Schwarze, dass mich manchmal ausschließt, ohne mich auszuschließen. Dass Dich rennen lässt, unzählige Stufen, ohne anzukommen. Das Dich müde macht, so dass Du Tage verschläfst.

Und ich fühle wie Du!

Ich kann es nicht loswerden, wie eines dieser Monster, die sich nachts auf die Lauer legen und erst verschwinden, wenn der Tag anbricht. Nicht solange Du mir nicht zeigst, was es ist.

Was lebst Du, wenn deine Tage schwarz sind, Schatten alles platt machen und feine Ringe unter Deine Augen ziehen? -

Und was lebst Du nicht!