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Stell Dir Vor

Stell dir vor du hast jemanden kennengelernt und geheiratet. Hast wahnsinnig anstrengende Kinder bekommen.
Genauso muss es sein, denn es ist Jahre her, dass wir voneinander hörten. Du hast sicher vergessen wer ich war und erinnerst dich zu schwach an meine Schwächen. Hoffentlich.

Wenn ich mich neu vorstellen müsste, wäre das heute so: 42, verrückt genug das Laufen zu beginnen, in dem Moment, in dem die restliche Welt damit aufhört und sich stattdessen auf Steine werfen und Faustkampf umtrainiert.
G 20 – hier wird’s politisch. Aber statt tatsächlich was zu bewegen, bewegt sich mal wieder nix. Sind denn alle irre geworden? Währenddessen brennt Hamburg- Geschäfte werden ausgeraubt von offiziell unkapitalistischen Demonstranten. Gibt es eigentlich einen Tourismus für Krawalle?

Stell dir vor, du gehst mit 20 Kindern Zelten. Ich komme gerade von so einem Zelten, habe die windschiefe Hütte aufgebaut und einen Tag später wieder abgerissen. Das morsche Iglu ging wortwörtlich unter. Ich brauche ein neues Zelt.

Für dieses Alte war ich die 3. Frau, die vor Jahren an der Seite eines Mannes dort einzog. Gut dass wir ein Haus bauten, nein bauen ließen- kauften.


Nachts auf den Moordörfer-Äckern wird es feucht. Feuchtigkeit bringt Kälte und während in Hamburg also die Flammen tanzten, lagen wir, dreiundzwanzig, 60 km nord/östlich und froren unter klarem Sternenhimmel mit Blick auf den Vollmond, am letzten Tag des 3-Frauen-Zeltes.

Der Vater meiner Kinder 24 km weiter wusste nichts vom Spontanableben seiner geliebten Stoffbahnen und erhielt heute morgen von mir allein die Zeltstangen mit den Worten: „Mehr war nicht übrig.“

Ein Kapitel geht zu Ende. Ich hab ihm gesagt, dass ich das baugleiche Zelt meines Ex-Freundes auftreiben könnte, dort war ich die Erste Frau. Darüber war er empört. Ha! Köstlich. Spannend was auf einer Seite für Selbstverständlich gehalten wird, auf der anderen aber indiskutabel ist.

Wenn ich mich neu vorstellen müsste, wäre das heute so: 42, Zeltfrau 3 und die, die es abriss bis auf die Stangen.

Stell dir vor, trotz der Weite zwischen uns- unsere Erfahrungen würden sich decken. Was du erlebtest, was du suchtest und was du finden konntest. Es vergeht kein Tag, dass mir der Held nicht einfällt. Als ich klein war, habe ich mir so jemanden gewünscht, ich wünsche ihn mir jetzt für meine Kinder. Jemand Echten, der lebt was er sagt und fühlt was er meint. Ich denke in Zeiten in denen Unkapitalisten Unkapital aus Läden stehlen und Feuer machen, braucht es Helden. Uns sind die Vorbilder ausgegangen, die uns zu Rittern schlagen. Es braucht mehr den je- eine Hand, die hält was sie verspricht.

Ich bedaure sehr heute kaum noch Helden zu kennen. Sehe ich mich um, gibt es viel zu viel Feuer, weil viel zu wenige die Kälte aushalten können. Ich habe in einem meiner Bücher gelesen, dass es die Dunkelheit braucht- zumindest zum Träumen und Schlafen.

Stell dir nun vor, wir würden das Licht begrüßen, wenn wir wieder Aufwachen...

In Bewegungsfreudigen 35 km/h

Mit Herz Und HaarTag 2 und alles ist Nebel. Fühle mich krank. Als würde ich doch mehr als nur ein paar Tage brauchen, um endlich wieder gesund zu werden. Mir ist übel und ich habe keine Möglichkeit, den ersten Schwindel nach dem Aufwachen zu bekämpfen. Mit nichts. Das Monster steht nahezu den ganzen Tag vor mir, wütend und speit Feuer. Ich bin wie hinter Glas, geschützt und doch in direktem Blickkontakt. Hoffe, ich bin bald wieder ich und das Monster gibt Ruhe. Innerlich steht meine Welt Kopf. Nichts was diesen Hunger stillt und in meinem Gehirn, nahezu gleich betäubend, meine Andockstellen zufrieden stellt, wie die Zigarette vorher. Innerlich koche ich auf 180 Grad- mit hoher Flamme. Spucke Feuer, wie mein Monster.

Tag 4 Aufgewacht und mein erster Gedanke: Gott sei Dank, muss ich heute keine Zigarette Rauchen! Ich mach nichts anders, ob das gut ist, weiß ich nicht. Ich gehe vor die Tür und trinke meinen Kaffee im Licht des ersten Tages, in deutlich dünnem Nervenkostüm. Der erste schlimme Schwindel ist weg und ich hab nicht immer und überall diese Wahnsinns Wut dabei. Gut so! Muss ja mal besser werden. Und doch schleicht sich das Monster an und fragt immer mal nach, ob ich jetzt wirklich aufhören will und warum eigentlich. Ich hab das Gefühl, als hätte ich die letzten Tage gefastet. Kann noch nicht mal sagen, dass sich in meinem Geschmackssinn irgendwas verbessert hätte.


Aufgewacht und Kaffee getrunken, Kaffee getrunken und Kaffee ge... ich finde diese Situation gar nicht mehr schimm. Innere Unruhe hält sich in Grenzen und ich kann sogar mal wieder lachen. Es gibt immer noch genug Punkte, an denen das Monster mich anbläst und schreit, warum ich unbedingt JETZT aufhören musste und ob man daran nicht was drehen kann. Aber egal WAS, es wäre ein fauler Kompromiss. Egal WANN, es wäre immer zu spät.
Ich bin bei Tag 6 und der hatte heute sogar Stille..



BlattinhalteAb in den Wald. Sonne satt. 30 min geht alles gut. Nach 35 min hab ich eine Sauerstoffübersättigung. Vielleicht zu tief geatmet?
Was mich aber richtig verängstigt: Ich kann die Sonne auf meiner schwarzen Hose riechen. Riecht wie gebügelt. Wenn sich mein Augenlicht zeitgleich mit meinen Geruchs- und Geschmacksnerven entwickeln würde, könnte ich sicher auch aufsteigende Dämpfe sehen. Ich bin mir ganz sicher! Das Monster scheint versöhnlich oft hinterm Berg zu bleiben, dafür knallt es aber auch ordentlich durch, wenn es sich wirklich mal blicken lässt. Ich hör mir das nicht an, dreh mich weg und konzentriere mich lieber auf meinen jugendlichen Geruchssinn. Genieße die Sonne des 8. Tages in Bügelwäsche ohne eine einzige Handbewegung!

Ein schöner Tag!!


Für Aufgabe 10, soll ich darüber nachdenken, was sich seit dem Rauchstop deutlich verbessert hat.
Und mir ist gleich aufgefallen, meine Haare trocknen schneller, wenn ich geduscht habe. Das ist großartig, früher haben sie so einen halben Tag vor sich hingetrocknet, jetzt brauchen sie keine Stunde mehr.. vielleicht bin ich aber auch schneller unterwegs und sie trocknen bei Kielsog leichter in bewegungsfreudigen 35 km/h ..