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Macht Platz!

HerbstrotIch finde Oxymorons an jeder Ecke, schlage ich das Vokabular meiner Freunde auf. Bin heiser vom Schreien. Kein Wort kommt mehr raus.

Breche über der Ansammlung von unmöglichen Wortkombinationen kombiniert zusammen und lach mich weg, weil das, was da zusammenkommt eine viel zu unmögliche Unmöglichkeit ergibt.

Ich bin auf der Suche nach echten Geschichten, weil- was ich höre, in Märchenbücher geschrieben werden müsste.

Gebt dem Leben Platz und lasst es nicht platzen.
Und an den Seifenblasen Eurer Phantasie, erkennt Ihr nicht nur die tausendschönen Farben dieser Welt...


Windstärke 7

Segel


Windstärke 7

6 Tage ohne Land unter den Füßen

Segel setzen und wieder einholen, wechselt sich ab, zwei Halsen fahren und der Tag nähert sich mit 3,9 Knoten dem Kaffeetisch zu. Hier ist alles teilweise, auch regnerisch. Alles in Rationen, in der Messe, in der wir essen, genau wie an Deck.




Milchglas
Mein erster Wunsch wird gleich am ersten Morgen erfüllt. Ab 5 Uhr morgens läutet die Nebelglocke jede Minute für 5 Sekunden!!
Bevor ich verstehe, was mich da weckt, bin ich an Deck und sehe durch Milchglas.. ..genau bis zu dem Moment, in dem sich die Sonne ein kleines Loch kratzt. Großartig!!








Manöver
3 Tage auf dem Boot und manche Sachen werden so unglaublich kostbar. Der Klassenlehrer, der uns begleitet meint, das ist das Yang in der Ernährung. Alles würzig, zu unausgeglichen das Ying. Mir fehlt es nicht an Phantasie mir genau das vorzustellen. Und während alle Anderen Manöver fahren, esse ich soviel ich schaffe, allein um dem Heißhunger entgegen zu wirken.
Das klappt an Abenden, an denen uns Kai seine Schokolade präsentiert...,
besser als an Anderen.




Sternenklar

Sehe auf Sternenklare glatte See. Kein Wind, seit Tagen. Segeln mit 0,6 Knoten Höchstgeschwindigkeit durch das Leuchtalgen durchsetzte Meer. Großartig, wenn wir das leuchten um uns beobachten. Noch großartiger diese Algen in einem Wassereimer zu fangen.
Denn was das Meer heute nicht zum leuchten bringt, schaffen wir mit unseren Händen selbst.





Segeln

Die folgenden Tage bringen Sonne mit und ein wunderbares Hoch. Leider stehen die Isobaren so weit auseinander, das gar kein Wind mehr weht. Mit 0,3 Knoten, erreichen wir den Kaffeetisch nie. Noch schlimmer, wir werden nie wieder schlafen. Weil Tage ohne Wind unendlich lang sind und knurren wie ein alter Diesel.







Okay
Die Abende sind schwer von Ankerlampe und Wärme, so unendlich schön, das keiner je wieder von Board will. Und sie sind trocken, in jeder Hinsicht. Irgendwo findet sich hier der Platz für jede Geschichte, manche so haarsträubend, dass man sich wünscht, es würde langsam wieder morgen werden und die anderen könnten ganze Nächte erhellen, so köstlich sind sie.






24meter


Einige trage ich mit mir rum, seit ich zurück bin. Sie helfen gegen Fernweh, gegen die ersten kalten Tage an Land.
Ich bin zurück, und in mir summt immer noch leise der Wind.







Über die bestrichene Seite

Sanduhr
Ich habe gefunden, in den Philosophien, in den Mythen und nicht zuletzt in wunderbaren Dichtern und Denkern und was sich jetzt von überall als Neuheit verkaufen lässt, ist ganz oft schon längst dagewesen. Die Sprache, jetzt in niederes Deutsch umgewandelt, ließe sich selbst in einem Kindergarten wunderbar vorlesen.
Wo bleibt da die Authentizität? Und was ist Literatur?

Dass Menschen noch Monate an einem Buch schreiben, gibt es doch schon längst kaum noch. Dafür gibt es Programme, mit vorgefertigten Wortstämmen, manche so federleicht, dass man schon beim Lesen von einer halben Seite, über eine riesige Papp-Attrappe stolpert.-


Ich brauche Bücher, die meinen Geist fordern, die mich denken lassen, meine Wahrheit wieder und wieder durchzuarbeiten. Und ich brauche Menschen mit ehrlichen Geschichten. Es gibt keine, die ich nicht hören will.

Menschen mit dem anzutreffen, was sie sind, ist recht einfach,- ihnen das auch zu lassen, bedeutet Arbeit.
Ich arbeite mich durch die Köpfe meiner Nächsten und sehe mal aus diesem, dann aus jenem Blickwinkel. Und das sagt mir ganz viel über mich.

Letztendlich- fällt Alles immer auf die bestrichene Seite, wie der Toast.

Zeit ist wie Sand und zerrinnt uns zwischen den Fingern, da gibt es hier keinen anderen Weg, als den der Schwerkraft.

Du kannst vorbeilaufen, sie nicht beachten oder..

Du machst die Hände ganz voll und fängst an zu leben.


Ein Einziger Schneeball

Himmel
Es gibt verschiedene Tage.
Ich meine nicht diese, an denen Dir Dein Sohn seine erste Zahnlücke zeigt und dass er Deine Handynachrichten lesen kann.

Ich meine Tage, für die Du nichts kannst. Wo ein einziger Schneeball eine riesige Lawine auslöst. Das ist ein Effekt und in meinen Bildern liebe ich das Drama.
Im wahren Leben habe ich es gern still, dann hab ich Söhne ohne Wackelzähne am allerliebsten.

Vor allem aber, habe ich mein Leben lieber ohne unvorhergesehene Überraschungen.

Wir haben heute wieder über den Tod gesprochen und meine kleine Freundin zu meinen Füßen sagt, dass sie verbrannt werden will, wenn sie stirbt, damit niemand ihr Amulett sieht. "Meine Knochen", fügt sie hinzu, als ich sie still ansehe.

Kinder in ihrem Alter sollten Zeit haben, starke Erwachsene zu werden, mit Mama auf der Wiese liegen, und sich in Phantasiegeschichten verlieren, spielen, lachen, auf Bäume klettern, .. sie sollten vor allem keine Zeit haben sich mit dem Tod zu beschäftigen. Und doch fragt sie sich jeden Tag. Schwimmen Tote im Meer oder fliegen sie im Himmel? Verteilen sie sich über die ganze Welt? Oder ist selbst der Himmel begrenzt?

Mir fällt so viel ein, wenn ich ihr zuhöre, vor wenigen Monaten ist meine beste Freundin gestorben, aber ich sehe die Kleine nur an, als müsste ich sie mir einprägen, damit sie mir nicht auch verloren geht.

Sie schreibt feine Linien auf meine Schuhe.
Und dann weiß ich, was ich ihr sagen will.-

Und zu meinen Füßen
sitzt die kleine Tochter
meiner besten Freundin

und hört mir zu. ....



Gegen Die Zeit

ZeitAls Kind dachte ich, ich kann gegen die Zeit laufen und sie einholen. Ich könnte die Wolken spüren, wenn ich nur nah genug rankäme.

Ich bin gerannt, aber es hat nie gereicht.

Jetzt schaffe ich es sie einzuholen.
Wenn ich Euch Geschichten erzähle, die meine Eltern mir erzählt haben.

Ich seh mich da liegen und mit Euch träumen.
Wir haben sie eingeholt..

denn GenauSo fühlt sich der Himmel an!