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Von Rot zu Gelb

Wenn man gegen die Helligkeit etwas lange anschaut und dann die Augen schließt, sieht man den Abdruck dessen, nur dass das Dunkle hell und das Helle dunkel erscheint. Ein Negativ eingebrannt auf die Netzhaut. Über mehrere Minuten, so wie ich das Abbild als Kind immer wieder angesehen habe, die Augen geschlossen, ein wenig geblinzelt. Das Positiv war längst verschwunden und bald darauf ging auch sein Abdruck hinter meinen Lidern, wurde von starkem Rot, zu Gelb, zu Ocker und dann zu Nichts.

So wie gegen diese Helligkeit, brennt sich ein ganzes Leben in unsere Seele und wird erst langsam von starkem Rot, zu Gelb und Ocker. Aber entgegen Allem wird es nie zu Nichts. 

Vielleicht verschließen wir, verschweigen Wahrheiten, bedecken sie mit neuerem Rot und kräftigem Gelb, aber Nichts werden sie nie. 

Wenn wir sie nicht teilen, tragen wir sie mit uns herum, bis am Ende eines Lebens selbst die verborgenste Geschichte ans Licht drängt, weil es vielleicht ein langwieriges Tauziehen geben würde, fürchten wir, zwischen der Wahrheit und dem Tod. Weil sie schon längst bestattet war und nun nicht so sterben kann, oder einfach weil die verschwiegene Wahrheit sich auf dem letzten Drücker noch dringend eine Zweitmeinung einholen will.

Und wenn man dann die Augen schließt, löst sich das Abbild der Seele.

 

The Mo inspiriert von Mariana Leky "Was man von hier aus sehen kann"

Bild: Scherenschnitt von Pauline aus "Pik-7"

 

 

Traust Du Deinen Augen noch?

Spiegel verkehrt

Ich bin nicht die Sehnsucht, auch nicht die Farbe.

Ich bin verrückt und beinahe unverbesserlich.
Ich hab zwei Gesichter und manchmal zeig ich das nicht, aber ich hab genauso Angst.

Dann kostet mich jeder Schritt Überwindung.

Heute seh ich vieles Anders.

Es sind unsere Erwartungen, die enttäuscht werden können.

Die sind in Einem größer, als im Anderem.
Und wenn man ganz loslässt, kann man nur beschenkt werden.
Es gibt immer viele Blickwinkel auf ein und die selbe Sache.

Ich bin bei Blickwinkel sieben

...und das ist noch lange nicht das Ende.

Wie die Tiefe des Meeres

WasserbildEin E-Bass ist einer meiner Träume ... so alt wie das Tauchen! Ich war 16 da hab ich mal auf einem gespielt und sein Besitzer und ich fielen fast vor Staunen um. So kraftvoll so gewaltig ! So schön schwer und Melodram .. so warm und tief, wie Tiefseetauchen ! Danach wollt ich nen E-Bass, wie ich als kleines Kind ne Taucherbrille wollte. Die Brille hab ich mit 5 bekommen in Ozeanblau, den Bass nie.. Weil wir keine Wände hatten, nur Stroh, wie mein Vater meinte, wenn er sich auf unsere Leichtbetonwände bezog. Und weil ich nicht gut genug war. Das muss es gewesen sein!! Denn mein Bruder bekam sein Klavier und den dazu passenden Unterricht. Ich wollte nicht glauben, dass es stattdessen eher ein Klischee war, dass Mädchen Küchenarbeit verrichten ..., Kinder erziehen, dass sie über die wichtigsten Kenntnisse in der Medizin verfügen sollten. Sie also, zu stille kleine Alleskönner, in gut aussehende Menschenkörper verpackt, heranreifen und so gutgelaunt und immer einen liebevollen Rat parat, ihres Daseins fristen. Die Männer hingegen etwas unterhaltsames lernen und mit gewisser Sensibilität die Frauen und die Welt erobern...

...während DIE EINE im eigenen Haus ALLES verrichtet und darauf wartet das ..Marco Polo.. Zuhause wieder aufschlägt!

STOPP.. !

Mir wurde all die Verwehrung meiner, in den Augen meines Vaters- männlicher Sehnsüchte -klar, als ich etwas in der Hauswirtschaft oder der Medizin lernen sollte! Eine schöne kleine Hausfrau mit / und / oder gleichzeitiger Ausbildung in der Krankenpflege, wie perfide eigentlich...
So besitze ich heute etwa Kenntnisse der Anatomie und Psychologie, der Kinderpflege, aber immer noch keinen E-Bass, der wie die Tiefe des Meeres rauscht..


Stell mir vor, wie ich ihn anstimme,
denn wenn ich nur tief genug tauche-
..hör ich ihn.. und mich!

Papierautos

PapierautoManchmal überholen mich die selbstgezeichneten Autos meines Sohnes - mitten am Tag!

Glück ist, wenn ich uns seine kleine Welt ausmale und sie mit ihm vergrößere.
Seine Augen, wenn ich phantasiere und Alles für uns Bunt träume. Ich wünsch mir, dass er in all dem Großwerden nicht vergisst, wie er dahin kommt!

Und wenn mich heute Papierautos überholen und ich weiß, dass er gerade nicht kann, zeichne ich sein Bild einfach für ihn weiter!