Skip to content

Zwanzigstundenschlaf

„So ein Samojede schläft 20 Stunden am TAG!“ Jetzt verstehe ich den Satz erst richtig. Stimmt, denn ich sitze da mit tiefschwarzen Rändern unter den Augen, lausche den nun endlich gleichmäßigen Atemzügen mit 8 Stunden Verzögerung und halte dabei den mittlerweile 5 Kaffee des Tages fest. Montagmorgen scheint dunstig durch die Küchenfenster und es schmeckt so gar nicht nach Sonnenschein. Eher ein bisschen bitter und schwarz. Das einzig Helle hier ist Nuka, ein Schlittenhund.

Gutenmorgenkaffee

Zeit Aufzustehen

Oder was denkst du?

 

Irgendwann

Irgendwann steht man vor der Entscheidung: will man den romantischen Helden auf einem schwarzen Pferd mit einer Rose zwischen den Zähnen oder heiratet man den Spinnenfänger, der in der eigenen Burg auf die Jagd geht, 8-Beiner auf Nachbargrundstücke trägt, wann immer das holde Fräulein kreischt. Meine Söhne haben sich entschieden, die „schwärmerischen“ Helden auf Pferden zu sein, damit sie nie eine Spinne tragen müssen. Denn „fantasien volle“ Helden kreischen beim Anblick von Spinnenbeinen auf und rennen schneller als ihre Pferde.

Meine Jungs wissen, wie sie sich entscheiden werden, das hat diese große autistische Spinne gestern mal eben im Vorübergehen erledigt.

Ich derweil, reite meinen Gaul ein, eine Dorne im Gesicht, den Stil zwischen den Zähnen. Ich bin entwaffnet, mein jüngster Sohn sieht zu mir auf, bevor sein kleiner spitzer Schrei endet, bin ich nur noch ein wehender Umhang am Horizont und kehre erst heim, wenn die letzte Spinne weit fortgetragen wurde-

denn so habe ich mich entschieden. Irgendwann!

 

Bitte Umrühren!

Wir hatten einen Totalausfall unserer Heizung. Bis heute morgen waren nur noch 10 Grad im Haus. Jetzt wärmt die obere Hälfte des Hauses wieder durch, die unteren Drittel allerdings bleiben kalt. Warme Luft steigt nach oben und so haben wir ein wenig Physik in den eigenen 4 Wänden.

 

Ein Temperaturanstieg von 10 Grad vom Sitzen zum Stehen. Wir könnten auf Hocker klettern oder auch gleich auf die Tische oder wir besteigen unsere Hochbetten und verschwinden für ein paar Tage, bis dass die dicke Luft auch endlich unsere Füße erreicht.

 

Während unsere Oberkörper gerade wieder auftauen, bleiben die Beine gefroren. Ich denke zwei Tage werden wir den „Brei“ hier noch umrühren müssen, bis dass warm und kalt ein Konglomerat aus lauem Wohlgefühl ergeben und wir wieder vollends geborgen werden können. 

Nur für den Moment

Bitte Umrühren!

 

 

Kartografiert

Ein Leben aus Punkten zusammengesetzt. Ein Leben zu müde um es ganz auszumalen? Eins das die Augen zukneift, wo es besser hinsehen sollte. 

Meine Tochter zeichnet Punkt für Punkt auf einer Karte ohne Land und Hilfslinien und irgendwann entsteht schwarz auf weiß, ganz neues Leben.

Papier ist geduldig und hoffnungslos weiß. - Bis man beginnt zu schreiben, zu zeichnen, sich Punkt für Punkt auszumalen, was möglich wäre. Ich hab die Tage Kafka gelesen und gelacht, aber all das nie ohne auch den Schrecken zu fühlen. Ein Leben das beginnt und sich ausbreiten möchte, sich ganz in allem fühlt, es ist niemand da, an dem es sich aufrichten kann. Es ist niemand da, in dem es sich fühlen kann, zu dem man Aufsehen könnte. Zu schnell verschwinden vertraute Menschen und Lebensmittel-Punkte. Dazu ein stetiger Wohnraumwechsel.

Das Leben gibt uns viele Interpretationsmöglichkeiten. Wir können es rabenschwarz sehen, das ist aber nur eine der Möglichkeiten. 

Wir dürfen an den neuen Morgen glauben, an einen Schlüssel der Türen öffnet und auf Öffnungen, in denen Menschen warten. Wir sehen morgens die Sonne aufgehen und abends unter und in all der Schwärze der Nacht, wissen wir doch vom Tag. „Morgen scheint die Sonne wieder“, hat meine Mutter zu mir gesagt, als ich ein Kind war, wenn es nicht gut lief, das Leben vor sich hin trödelte. 

Franz Kafka hat auf Max Brod’s Frage, alles klingt so düster, gibt es denn gar keine Hoffnung, geantwortet: „Aber ja! Es gibt sogar unendlich viel Hoffnung. Nur nicht für uns!“ 

Vielleicht war es eine zeitlich begrenzte Hoffnungslosigkeit, vielleicht eine Örtliche. Vielleicht war sie personeller Natur. 

Wir dürfen an den neuen Morgen glauben.

Papier ist geduldig und hoffnungslos weiß. - Bis man beginnt zu Schreiben, dann kann man den Text rabenschwarz lesen oder mit Humor und vielleicht beginnt man sogar während des Lesens so zu lachen, wie Franz Kafka es einmal während einer Vorlesung tat. Den Gerüchten zufolge sollen Frauen ohnmächtig geworden sein. Keine Legende allerdings: einige Zuhörer flüchteten aus dem Raum. Vielleicht dachten sie es trachte ihnen jemand nach dem Leben, wenn sie blieben, oder befürchteten wirklich ohnmächtig zu werden, während er schallend weiter lachte.

Meine Tochter punktiert ein Leben, vielleicht ihres und ich meines, aber noch anders als sie, ich bin nicht so geduldig. Und ich weiß, ihres wird ein Kunstwerk..

auf hoffnungslos weißem Papier.

In 10 Momenten

Die Lehrerin meines Sohnes hat heute den Kindern im Unterricht eine Geschichte aus einem Buch vorgelesen, erzählte mir Bela gerade. Und saß dafür auf dem Fensterbrett, weil das Licht dort besser war. Während sie so vorlas, legte sich einer der Bäume direkt hinter ihrem Rücken auf die Seite. Die Kinder stöhnten: "Ohhhh!" und seine Lehrerin, die nicht mehr sehen konnte, als die Buchstaben vor ihr, sagte: "Ja, das ist jetzt aber auch wirklich sehr spannend“ las gleich mit noch mehr Ausdruck und Freude für die Kinder, während das Bäumchen auf- und niederschwang und die Kinder mit Vorder- und Hintergrund mitfieberten.

Es war einmal, nein zweimal und mindestens ein Sturm der aufzog und nicht enden wollte, der kämpfte um jeden Moment. Was wenn wir unser Leben nicht in Jahre einteilen, wenn wir es in Momenten zählen würden. Inspiriert durch die Freundin meiner Tochter, versuche ich nun ihre Gedanken zu zählen. Was bedeutet es überhaupt älter zu werden? Was wenn wir in dem einen Moment noch Vordergrund der kleinen Zuhörer sind und zwei Momente später der Hintergrund, der vorliest. Bin ich all das schon jetzt!? So denkt sich Indira die Welt und träumt sich zwischen ihren Momenten erwachsen. Und fragt sich berechtigt, ist es wirklich so dass wir an Jahren wachsen, sind es nicht viel eher die Momente, die uns bejähren und feine Fältchen in unser Gesicht ziehen, die uns erwachsen werden oder ein ewiges Kind bleiben lassen. Eins mit Missionen, das tanzt, lacht und ... wie meine Freundin sagt. Oder eins mit Augen, dass man denkt, was hat dieser Mensch schon alles sehen müssen. 

Unzählige Momente oder auch nur ein Einziger, was wenn wir unser Leben in Momenten zählen würden und nicht in Jahren?

Die Welt zwischen Indira und Lina in 10 Momenten gezeichnet von Jule

Federn Lassen

Federn Lassen

Ein Huhn, auf das es nicht erschrecke
Lag einst auf meiner Federdecke
Es war gerupft und federlos
Zum Glück war's nicht sein Leder los
Sonst hätt's auch kaum könn' liegen
Es konnte schon nicht fliegen!
Ich selbst verdeckt vom Federkissen
Sprach dünn dem Vogel ins Gewissen
Wenn auch gedämpft, doch ehrlich-

"Hach ist das Leben herrlich!"

by M© Vision, 2017