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Von Rot zu Gelb

Wenn man gegen die Helligkeit etwas lange anschaut und dann die Augen schließt, sieht man den Abdruck dessen, nur dass das Dunkle hell und das Helle dunkel erscheint. Ein Negativ eingebrannt auf die Netzhaut. Über mehrere Minuten, so wie ich das Abbild als Kind immer wieder angesehen habe, die Augen geschlossen, ein wenig geblinzelt. Das Positiv war längst verschwunden und bald darauf ging auch sein Abdruck hinter meinen Lidern, wurde von starkem Rot, zu Gelb, zu Ocker und dann zu Nichts.

So wie gegen diese Helligkeit, brennt sich ein ganzes Leben in unsere Seele und wird erst langsam von starkem Rot, zu Gelb und Ocker. Aber entgegen Allem wird es nie zu Nichts. 

Vielleicht verschließen wir, verschweigen Wahrheiten, bedecken sie mit neuerem Rot und kräftigem Gelb, aber Nichts werden sie nie. 

Wenn wir sie nicht teilen, tragen wir sie mit uns herum, bis am Ende eines Lebens selbst die verborgenste Geschichte ans Licht drängt, weil es vielleicht ein langwieriges Tauziehen geben würde, fürchten wir, zwischen der Wahrheit und dem Tod. Weil sie schon längst bestattet war und nun nicht so sterben kann, oder einfach weil die verschwiegene Wahrheit sich auf dem letzten Drücker noch dringend eine Zweitmeinung einholen will.

Und wenn man dann die Augen schließt, löst sich das Abbild der Seele.

 

The Mo inspiriert von Mariana Leky "Was man von hier aus sehen kann"

Bild: Scherenschnitt von Pauline aus "Pik-7"

 

 

Short Stories

Wir sind nach ein paar Stunden Fahrt in unserer Dänisch-Deutsch-Englischen Gemeinschaftsküche angekommen. Ein Sommer wie eine Blaupause zum Letzten. Gleiches Haus, gleicher Pool, gleiche Kinder und gleich deutsch-englisch.

Die Bibliothek ist riesig in unserem Haus auf der Insel. Suche jetzt nur noch einen Dänen der mir daraus vorliest. Denn so schön sie auch ist, ich kann nur die Namen auf den Buchrücken lesen. Mir fehlen die restlichen Worte.

Dad

Mein Neffe, 4, diskutiert mit mir auf der Fahrt zum Strand auch gleich aus, warum ich ganz sicher keinen kleinen Bruder haben kann. Erstens ist sein Name Dad. "Und weil das sein einziger Name ist, musst du Dad zu ihm sagen!" Und zweitens sagt Henry: "Dad is big, not little. Da ist er nämlich kleinlich."

Gefilzt

Henrys Katzen in England haben keine Haare, erklärt er mir beim Morgenkaffee. Sie haben Fusseln, das braucht bis ich ihn verstehe.
Sie sind different in ihren Farben, doch bei den Fusseln sind beide gleich. Henry zeigt auf eine der Fleecedecken und sagt so wie this here.
Bürsten wäre wohl mal gut, denke ich.

Raumwunder

Wenn auch seine Katzen keine Haare haben, ist doch sein Haus in West-London big und sein Garden has one hundred Erdbeeren und 3 Gießkannen. Und Flower(s) wohin man sieht. Badezimmer gibt es nicht, dafür two toilets und eine-Million-886 stairs nach oben, sagt er. Falls man dann dort je ankommt, ist die Aussicht auf Sterne wohl ganz gut. Näher kann man dem Himmel kaum noch kommen.

Die Häuser in England sind zuweilen schmal und hoch und echte Raumwunder.

Was bin ich froh, dass dieses hier breit ist und der Garten nicht ganz so voll, dafür stufenlos weitläufig..

Wir haben also fast alles, sogar Haare..

naja bis auf:

Suche Dänen für 5 Tage!

"Messer. Gabeln. Löffel. Genau in dieser Reihenfolge."

"Britt-Marie ist pedantisch und ziemlich zugeknöpft, sagen die Leute." "Messer. Gabeln. Löffel. Genau in dieser Reihenfolge." Ich hab die Besteckschublade neu sortiert. Und damit mal gleich eine ganze Familie aufgemischt. Was so eine kleine Veränderung bewirkt. Was denkt ihr denn wie wir vegan geworden sind? Ich hab da was gelesen.. Also klar habe ich die Besteckschublade umgeräumt, für den Fall das Besuch kommt. "Britt-Marie war hier" und wenn das denn auch bei uns so sein sollte, hab ich die Schubladen schon mal vorbereitet. Man soll ja nicht denken, dass wir keine zivilisierten Leute sind. Ich finde es konsequent nach dem Lesen eines Buches meine Wohnung ganz neu zu ordnen. "Wir sind ja schließlich keine Tiere." "Nicht dass sie Menschen verurteilt, überhaupt nicht, aber irgendwo ist ja wirklich eine Grenze erreicht." Britt-Marie ist nicht passiv aggressiv." "Sie ist fürsorglich."